Einmal Gelerntes bleibt im Gehirn gespeichert
Freitag, den 14. November 2008 um 16:55 Uhr
Ein Gehirn wie ein Sieb? Nicht doch! Münchner Forscher haben in Tierversuchen herausgefunden, dass erworbenes Wissen nicht wieder verschwindet. Die Verbindung zu diesem Teil der Erinnerung wird nur deaktiviert - lässt sich jedoch leicht wieder mobilisieren.

"Fahrradfahren verlernst du nie", heißt es - und das stimmt. Der Grund dafür sind vermutlich Nervenverbindungen, die das Gehirn beim Lernen aufbaut und beim Vergessen nicht wieder abbaut sondern nur deaktiviert. Erinnerungen gehen also nicht verloren sondern sind nur zeitweilig nicht abrufbar, wie Forscher vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried online vorab in der Fachzeitschrift "Nature" berichten.

Bei einem Lernvorgang gehen Nervenzellen im Gehirn eine Verbindung ein. Feine Fortsätze wachsen von einer Nervenzelle auf ihre Nachbarzellen zu und bilden mit diesen eine Kontaktstelle (Synapse), über die Informationen ausgetauscht werden.

In ihren Experimenten ging das Team um Susanne Hofer der Frage nach, warum das Wiedererlernen von Vergessenem deutlich einfacher ist, als etwas ganz neu zu lernen. Dazu verschlossen die Neurobiologen zeitweise ein Auge von erwachsenen Mäusen, um die Auswirkungen auf die Nervenverbindungen im Gehirn des Nagetieres mit Hilfe von bildgebenden Verfahren zu untersuchen.

Bereits nach kurzer Zeit bildeten sich neue Nervenverbindungen in dem für das Sehen zuständigen Gehirnareal: Die Neuronen stellten sich auf die Verarbeitung der Signale des verbliebenen Auges um - die Maus hatte gelernt, nur mit diesem Auge zu sehen.

Gehirnzellen auf Vorrat

Ließen die Forscher die Mäuse wieder mit beiden Augen sehen, strukturierten sich die Neuronen abermals um und passten sich erneut an ein zweiäugiges Sehen an. Die Anpassung der Neuronen auf das Sehen mit nur einem Auge ließ sich vollständig umkehren - die zuvor angelegten Verbindungen waren demnach nicht verschwunden sondern nur zeitweilig deaktiviert.

Die Wissenschaftler wiederholten ihre Versuche und verschlossen das eine Auge der Mäuse erneut. Die darauf folgende Anpassung an einäugiges Sehen durch die Neuronen erfolgte im zweiten Durchlauf wesentlich schneller.

Neuronen können sich den Untersuchungen zufolge flexibel umstrukturieren und bestimmte Kontaktstellen bei Bedarf aktivieren oder deaktivieren. "Da eine einmal gemachte Erfahrung vielleicht später noch einmal gebraucht wird, scheint das Gehirn ein paar Fortsätze sozusagen "auf Vorrat" zu behalten", erklärt Studienleiter Mark Hübener. So werde das spätere Wiedererlernen erleichtert. Deshalb sitzen Fahrradfahrer auch nach jahrelanger Pause wieder sicher im Sattel.

hei/ddp/dpa

 

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